Das Hasetaler Flussgold

Emsländer Bierbrauerin erobert das Hasetal

Bericht von Alexandra Lüders

Hier ist der Braumeister weiblich

Eigentlich hatte Friederike Köhl ihr erstes Lehrerexamen schon abgeschlossen, als ihr die Idee kam, in die Landhausbrauerei ihres Vaters Ewald Borchert in Lünne einzusteigen. Nach einer dreijährigen Lehre als Brauerin bei der „Kölner Hofbräu Früh KG “ kehrte die 38-jährige zurück in die emsländische Heimat, wo der Betrieb seit 2016 stark gewachsen war. Die Mutter von zwei Töchtern avancierte schließlich zur Geschäftsführerin, welche eigene Braurezepte kreiert, Gastronomie und Küche neu aufgestellt und das Hasetaler Flussgold auf den Markt gebracht hat.

Ist Bierbrauen männerlastig?

„Irgendwann wurde mir klar, meine Schwestern gehen ihren eigenen Weg und mein Herzblut hing an meinem Elternhaus und der Brauerei. Schon als Kind habe ich den Eltern gern ausgeholfen. Heute identifiziere ich mich ganz stark mit unserem Betrieb“, erklärt Köhl, warum sie dann doch lieber Bierbrauerin geworden ist. Die Bewerbungen um eine Lehrstelle seien dann zunächst u.a. an fehlenden Frauentoiletten gescheitert. Es hagelte damals Absagen zum Teil mit fadenscheinigen Begründungen, erinnert sie sich. „Die Brauereien waren total männerlastig. Auch bei der Früh Kölsch zeigten die männlichen Kollegen erst Unsicherheiten. Einer hat drei Wochen nicht mit mir gesprochen. Andere dachten, meine Frauenfüße würden nicht in die Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen passen. Später hatten wir ein super Verhältnis zueinander, weil ich überall mit angepackt habe“, berichtet Friederike. Sie ist dankbar für diese tolle Erfahrung, weil selbst der Meister sie geschätzt habe. Von 33 jungen Bierbrauern hätten damals nur drei Frauen die Braulehre abgeschlossen, um später in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten. Sie selbst habe zu den drei besten Absolventen ihrer Brauausbildung gehört. Heute braut sie im eigenen Betrieb nicht selbst, sondern entwickelt Rezepte für neue Biere, kümmert sich um die Gastronomie, macht Führungen und treibt das Marketing voran. 

„Wir haben mit der Brauerei Borchert einen geeigneten Partner gefunden, das Hasetaler Flussgold als regionales Bier Einheimischen und Touristen anbieten zu können (...)“
Jurriën Dikken
Geschäftsführer Hasetal Touristik GmbH

Ihr siebzigjähriger Vater Ewald unterstützt die Abläufe und berät. Für 2026 plant sie den Ausbau von Service und Küche. „Als erstes habe ich mich auf die Gastro gestürzt, um den Feinschliff reinzukriegen. Auch die Produktion wurde ausgebaut und das Wachstum brachte mehr Anforderungen in Bezug auf Hygiene und Nachhaltigkeit. Mir macht das total viel Spaß auf Einsparungen zu achten und Prozesse zu durchdenken“, verweist die Brauerin auf ihr erlangtes Gütesiegel als klimabewusstes Unternehmen. Für sechs ihrer regionalen Biere habe sie Etiketten aus nachhaltigem Papier herstellen lassen und verwendet Brunnenwasser zum Spülen. „Die macht das richtig gut, sogar  noch besser als ich“, freut Ewald Borchert sich. „Und ich genieße, dass Papa noch so fit und einfach da ist“, ergänzt Friederike. Selbst die saisonalen Menus aus der hauseigenen Küche hat die Brauerin in die Hand genommen. „Unsere Menus sind fest und frisch. Da habe ich mir eine Kernkomptenz erarbeitet und profitiere von den Kochkünsten meiner Mutter Maria. Im Januar und Februar biete ich das ‚Wintergrillen‘ mit speziellen Menus oder ‚Grünkohl einmal anders‘ an“, erzählt Friederike. Das rustikale Ambiente des Brauhauses und der Gasträume locke im Sommer auch Hochzeitsgesellschaften nach Lünne.

Regionales Bier für das Hasetal

„Die Hasetaler Gastronomen und die Supermärkte springen langsam auf. Jährlich produzieren wir 120 000 Liter pro Jahr. Sie werden in Flaschen (0,33), in Zwei - Liter - Siphons und in Fässern ausgeliefert. Unser Brauhaus besuchen Gäste aus dem nahen und weiten Umfeld auch wegen der Erlebnisgastronomie“, resumiert Köhl. „Die junge Braukünstlerin macht das ganz toll. Wir haben mit der Brauerei Borchert einen geeigneten Partner gefunden, das Hasetaler Flussgold als regionales Bier Einheimischen und Touristen anbieten zu können“, lobt der begeisterte Geschäftsführer der Hasetal Touristik abschließend.